Der verdrängte Tod

Der verdrängte Tod
  Nur noch 35 Prozent der Deutschen glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. 37 Prozent glauben nicht daran. Wie leer oder erfüllt ist das Toten-Gedenken am Totensonntag? „Die Kultur eines Volkes erkennt man daran, wie es mit seinen Toten umgeht.“                                    Perikles, 493-429 v. Chr. Ob sich die Existenz des Menschen nach dem Tode fortsetzt, ist die zentrale Frage jedes denkenden Menschen. Doch wie viel denkende Menschen gibt es noch, die diese entscheidende Lebensfrage nicht verdrängen? – Wie leer oder erfüllt sind die Toten-Gedenktage im November, wenn nach einer Statistik von 2017 in Deutschland nur noch 35 % an ein Weiterleben nach dem Tode glauben? 37 % glauben nicht daran, und 26 % sind unentschieden.1 Sind unsere Verstorbenen geistig lebendig; stehen sie mit uns in Verbindung und bilden mit uns eine höhere Gemeinschaft, die aber wegen unsrer materialistischen Beschränktheit nicht fruchtbar werden kann? Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch schrieb noch 1945 unter dem Eindruck der 60 bis 70 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges ein Drama mit dem Titel „Nun singen sie wieder“, in dem er eine Gruppe erschossener Geiseln, die singend in den Tod gegangen waren, wieder als handelnde Personen auftreten lässt. Singend versuchen sie sich wieder bei den [...]