Bis zu 100 Tonnen tote Fische in der Oder – Auch Saale betroffen

vor 1 Monat 31

Nach dem massiven Fischsterben in der Oder scheint nun auch die Saale betroffen zu sein: Angler haben bei Bernburg in Sachsen-Anhalt Hunderte tote Fische entdeckt, der Anglerverband Sachsen-Anhalt erstattete bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt. Dies erklärte ein Sprecher des Verbandes auf Anfrage der dpa. Zuvor hatte die Mitteldeutsche Zeitung darüber berichtet.

Der lokale Angelverein habe im Laufe des Wochenendes etwa 300 tote Fische geborgen, man gehe von schätzungsweise 3.000 toten Fischen aus. Die Ursache ist noch unklar – ein Zusammenhang mit dem Fischersterben in der Oder an der deutsch-polnischen Grenze ist laut einem Sprecher des Angelverbands jedoch unwahrscheinlich.

Die Behörden seien zwecks Analyse und Aufklärung eingeschaltet worden. Der Verband geht davon aus, dass noch mehr tote Fische den Fluss entlanggetrieben worden sind. Die Dimensionen seien jedoch nicht mit denen in der Oder vergleichbar.

Hochrechnungen auf Grundlage der Meldungen über einzelne Sammelaktionen zufolge beträgt die Menge der in den vergangenen Tagen verendeten Fische in der Oder bis zu 100 Tonnen. Dies erklärte der BUND-Gewässerexperte Sascha Maier am Montag der dpa. Wie der Leiter der Feuerwehr im polnischen Słubice der Nachrichtenagentur PAP erklärte, sind allein auf dem Oder-Abschnitt in der Woiwodschaft Lebus am Sonntag zehn Tonnen verendete Fische geborgen worden.

Die Dimension sei vergleichbar mit der Sandoz-Katastrophe von 1986. Damals war beim Chemiekonzern Sandoz (heute Novartis) ein Brand in einem Schweizer Lager ausgebrochen. Große Mengen verunreinigten Löschwassers waren in den Rhein gelangt und hatten ein großes Fischsterben verursacht. Der Vorfall war schließlich Anlass für internationale Alarm- und Meldepläne von Flussanrainern gewesen. Doch genau diese seien jetzt an der Oder nicht eingehalten worden. Der BUND geht demnach davon aus, dass es auf polnischer Seite eine "illegale Einleitung von Chemikalien" in die Oder gegeben habe.

"Wir können davon ausgehen, dass es eine Verunreinigungswelle gab, die durch die Oder geflossen ist."

Hinzu kämen andere Faktoren wie Niedrigwasser oder der Oder-Ausbau, die die Fische schon vorher in Stress versetzt hatte. Maier zufolge habe das "Kernversagen" in Polen gelegen. Aber auch auf deutscher Seite sei nicht alles reibungslos verlaufen. Es hätten etwa mehr Labore für Analyse einbezogen werden müssen. So sei "zu viel Zeit verstrichen".

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(rt/dpa)

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