Gaskrise bedroht Liquidität: Deutscher Energieversorger Uniper braucht wohl Staatshilfe

vor 1 Monat 187

Der börsennotierte deutsche Energieversorger Uniper hat seine zu hohen Ergebnisprognosen für das Geschäftsjahr 2022 wegen des Rückgangs im ersten Halbjahr wieder zurückgenommen. Zugleich ist bekannt geworden, dass der größte Gashändler Deutschlands – und einer der größten Europas – mit der Bundesregierung nun Gespräche über mögliche Staatshilfen führen wolle.

Uniper gehört inzwischen mehrheitlich dem Fortum-Konzern, der seinerseits mehrheitlich im Besitz des finnischen Staates ist. Nach dem Kassieren der Ergebnis- und Gewinnziele für 2022 hatte die Aktie des Unternehmens Uniper laut einem ARD-Bericht um mehr als 20 Prozent verloren. Mit rund 14 Euro kostet die Aktie so wenig wie seit 2017 nicht mehr. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf nunmehr fast 70 Prozent, berichtet die Nachrichtenagentur dpa

Seit Mitte Juni erhält Uniper nach eigenen Angaben nur noch 40 Prozent der vertraglich zugesicherten Gasmengen vom russischen Gazprom. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf kooperiert mit Hunderten Stadtwerken und Energieversorgern in Deutschland. Die fehlenden Mengen des verhältnismäßig günstigen Gases aus Russland muss Uniper nun auf dem "freien" Spotmarkt zukaufen, um seinen Lieferverpflichtungen gegenüber den Abnehmern nachzukommen. Diese Preise sind allerdings in den letzten Monaten in die Höhe geschossen. Die Differenz kann der Konzern derweil jedoch noch nicht an seine Kunden weitergeben, da jene mit dem Gas noch zu den zuvor vereinbarten niedrigeren Preisen beliefert werden müssen.

Das Unternehmen prüfe derzeit, wie die Liquidität der Gesellschaft weiter gesichert werden könne, hieß es seitens Uniper am Mittwochabend. Der Vorstandsvorsitzende Klaus-Dieter Maubach erläuterte laut dpa:

"Wir hatten bereits Ende letzten Jahres durch die enorm gestiegenen Gaspreise einen signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf."

Um diesem finanziellen Engpass zu begegnen, so Maubach weiter, hätte man "bereits unsere Kreditlinien erweitert und unter anderem eine Fazilität der staatlichen KfW in Höhe von zwei Milliarden Euro erhalten, die wir bis heute nicht in Anspruch genommen haben".

Maubach ergänzte, dass sich die Geschäftsentwicklung "durch den Krieg in der Ukraine und die in der Folge stark reduzierten Gaslieferungen aus Russland spürbar verschlechtert" habe. 

"Daher sprechen wir jetzt mit der Bundesregierung erneut über Stabilisierungsmaßnahmen, für die eine Reihe von Instrumenten in Frage kommen wie zum Beispiel Garantie- und Sicherheitsleistungen, Erhöhung der aktuellen Kreditfazilität bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital."

Laut einem Bericht der dpa habe der finnische Mehrheitsaktionär Fortum mitgeteilt, dass im Falle von Uniper eine "nationale und industrieweite Anstrengung" nötig sei. Wie hoch und wie konkret eine mögliche Unterstützung ausfallen müsste, wollte Fortum laut dpa nicht kommentieren. Uniper habe einen von Fortum gewährten Kreditrahmen von acht Milliarden Euro teilweise ausgenutzt, hieß es weiter. "Als Mehrheitseigentümer von Uniper wollen wir als Fortum dafür sorgen, dass Uniper auch im Falle eines anhaltenden oder sich verschärfenden Gasmangels in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen."

Am Donnerstag bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium, dass mit Uniper Gespräche über Stabilisierungsmaßnahmen laufen. Anlass seien "die stark gestiegenen Gaspreise und die reduzierten Liefermengen aus Russland", so eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber dpa.

Vor wenigen Tagen hatte dieses Ministerium die zweite Stufe des Notfallplans Gas, die sogenannte Alarmstufe, ausgerufen. Grund dafür seien "die seit dem 14. Juni 2022 bestehende Kürzung der Gaslieferungen aus Russland und das weiterhin hohe Preiseniveau am Gasmarkt". Aktuell sei zwar die Versorgungssicherheit gewährleistet, aber "die Lage ist angespannt". Der Notfallplan Gas hat drei Stufen, die dritte ist die Notfallstufe.

Für Deutschland ist Nord Stream 1 inzwischen die Hauptversorgungsleitung mit russischem Gas. In den letzten Monaten waren auch in Europa wegen der westlichen Sanktions- und Embargo-Politik gegen Russland wegen dessen Militäroperation in der Ukraine die Energiepreise drastisch gestiegen.

Mehr zum Thema - Habeck: "Werden, solange der Krieg andauert, eure fossilen Energien nicht mehr kaufen"

Lesen Sie den gesamten Artikel