Kanada: Ukrainische Gas-Route keine Alternative zu Nord Stream

vor 2 Wochen 16

Der Gastransit nach Europa über die Ukraine könne keine Alternative zu Nord Stream sein. Dies hat der kanadische Minister für natürliche Ressourcen, Jonathan Wilkinson, erklärt. In seiner Rede vor dem Parlament verteidigte Wilkinson die Entscheidung, die russische Turbine für Nord Stream 1 zurückzugeben.

Wilkinson widersprach somit den Argumenten der Ukraine, die sich dagegen ausgesprochen und versichert hatte, dass es alternative Versorgungsmöglichkeiten gäbe. Dem Minister zufolge habe sich Kanada nicht auf den Transit durch die Ukraine als Ersatz für die Nord-Stream-Pipeline verlassen, da die Kapazitäten nicht ausreichten.

Der Politiker präzisierte ferner, er habe den Vorschlag der Ukraine mit technischen Experten der Internationalen Energieagentur geprüft und mit Vertretern der EU und Deutschlands diskutiert. Sie alle seien dabei zu dem Schluss gekommen, dass die Lieferungen durch die Ukraine deutlich geringer ausfallen würden als die Lieferungen durch Nord Stream bei voller Kapazität, so Wilkinson. Wörtlich hieß es:

"Unterm Strich wären die Ströme, die durch die von Russland über die Ukraine verlaufenden Pipelines nach Deutschland fließen könnten, deutlich geringer als die der Nord Stream."

Darüber hinaus wies der Minister auf die Risiken hin, die mit der russischen Militäroperation verbunden seien, sowie auf die Möglichkeit, dass Russland die Pumpleistung durch ukrainisches Gebiet verringern könnte. Die ukrainische Botschafterin in Kanada, Julija Kowaliw, wies ihrerseits die Argumente von Wilkinson in einer Rede zurück und betonte, dass derzeit mehr Gas durch das Land gepumpt werde als durch Nord Stream:

"Es stimmt nicht, dass die Ukraine die Gaslieferungen nach Deutschland nicht ersetzen kann."

Anfang der Woche hatte sich Bundeskanzler Olaf Scholz für den kanadischen Premierminister Justin Trudeau eingesetzt. Nach Ansicht von Scholz entbehre die Kritik an Justin Trudeau "jeglicher Grundlage". Angeblich nutze Russland die Turbine als Vorwand, um weniger Gas zu liefern. Bald könne das nicht mehr möglich sein, so der Bundeskanzler weiter:

"Mit der Lieferung der Turbine haben wir Putins Bluff auffliegen lassen. Er kann diesen Vorwand nicht mehr verwenden und keine technischen Gründe mehr für ausbleibende Gaslieferungen ins Feld führen."

Insbesondere der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij hatte sich unzufrieden mit dem Vorgehen des kanadischen Premierministers gezeigt. Seiner Meinung nach habe dieser ein "gefährliches Zugeständnis" gemacht. In einer Erklärung von Außen- und Energieministerium in Kiew hieß es, man sei "zutiefst enttäuscht" über die Entscheidung der kanadischen Regierung, in diesem Fall eine Ausnahme von den gegen Russland verhängten Sanktionen zu machen.

Mehr zum Thema - Medienbericht: Siemens bezichtigt Gazprom der Lüge

Lesen Sie den gesamten Artikel