Konflikt im KaukausAllein gelassen

Die Stimmung in Armenien ist gereizt. Oppositionspolitiker fordern den Rücktritt des Präsidenten. Die Niederlage der Kaukasusrepublik gegen Aserbaidschan wollen viele nicht akzeptieren. Im Friedenschluß verliert Armenien die Kontrolle über Bergkarabach. Aserbaidschan gewinnt diese. Rußland erlangt mehr Einfluß. Von Luca Steinmann.

Es ist spät in der Nacht, als am 9. November der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan die Waffenruhe ankündigt: „Liebe Landsleute, Schwestern und Brüder. Ich habe persönlich eine sehr schwere Entscheidung für mich und für uns alle treffen sollen. Ich habe ein Waffenstillstandsabkommen über Bergkarabach unterschreiben sollen, was ein unglaublicher Schmerz für mich und unser Volk ist.“ Er wollte es nicht wie eine Niederlage aussehen lassen, doch die Armenier wußten, ihr Ministerpräsident hat eine Kapitulation unterzeichnet.

Nur wenige Minuten später kommt es in der Nacht überall in der Hauptstadt Eriwan zu Unruhen und Plünderungen. Paschinjan wird beschimpft, Straßen werden blockiert, das Parlament und weitere Verwaltungsgebäude besetzt. Demonstranten fordern den Rücktritt der Regierung.

Nachdem am 27. September die aserb...