Medien: Dutzende westliche Firmen und Behörden nutzen russische Gesichtserkennungssoftware

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Inmitten der Behauptungen westlicher Politiker, Russland und russische Unternehmen seien erfolgreich isoliert worden, veröffentlicht das US-Finanzmedium Insider Informationen, wonach Dutzende US-amerikanische und allgemein westliche Organisationen und Unternehmen aktive oder ehemalige Kunden der russischen Firma NtechLab seien.

Eine geleakte Kundenliste wurde dem Insider zugespielt und sorgt für Staunen: Unter den Kunden der NtechLab sollen unter anderem Starlink von SpaceX, Honeywell, Philipp Morris, Bosch und andere sein.

"Die NTechLab-Nutzerliste, die Insider  von einer anonymen Quelle zugespielt wurde, enthält mehr als 1.100 Einträge mit Unternehmen und Regierungsbehörden aus mehr als 60 Ländern", so Insider. Das Magazin schreibt:

"Die meisten Einträge auf der durchgesickerten NTechLab-Benutzerliste stammen von Polizei- und Militäreinrichtungen in anderen Ländern, darunter Interpol, die brasilianische Bundespolizei und die Königliche Thailändische Armee. Auch viele öffentliche Einrichtungen in Russland stehen auf der Nutzerliste, wie der russische Bundessicherheitsdienst, das föderale Strafvollzugssystem sowie mehrere Schulen und U-Bahn-Systeme. Außerdem sind mindestens 20 Einrichtungen mit Sitz in der Ukraine aufgeführt, darunter Unternehmen in Gebieten wie dem Kiewer Platz."

NTechLab ist für sein Programm FindFace bekannt, das auf der Technologie der künstlichen Intelligenz basiert. Nach Angaben des Unternehmens biete die Software "eine rekordverdächtige Genauigkeit und Hochgeschwindigkeitserkennung von Gesichtern, Silhouetten und menschlichen Handlungen sowie eine Fahrzeugerkennung".

Insider bat NTechLab um eine Stellungnahme und legte einen Auszug aus der Benutzerliste vor – daraufhin bestätigte ein Sprecher der Firma, dass die Liste "einige aktuelle Kunden" sowie "Unternehmen und Organisationen, die unsere Videoanalysesoftware für verschiedene Zwecke getestet haben" erhalte – so das Magazin.

"Obwohl die amerikanischen Unternehmen, die um eine Stellungnahme gebeten wurden und die Nutzung bestätigten - Philip Morris, CasinoSoft und MutualLink - sagten, dass sie FindFace zuletzt vor einigen Jahren verwendet haben, enthält die durchgesickerte Nutzerliste auch fast alle aktuellen Kunden, die NTechLab auf seiner Website nennt, und viele mehr", betont Insider . Manche – wie Intel und Nokia zum Beispiel – bestritten in dem Gespräch mit dem Magazin die Verwendung von FindFace. Andere – wie Starlink, Honeywell und Bosch - lehnten jegliche Stellungnahme ab.

Letztendlich kommt Insider zu diesem Schluss:

"Angesichts des Einmarsches Russlands in der Ukraine haben die USA und Dutzende anderer Länder Sanktionen gegen große russische Banken, wichtige staatliche Unternehmen in Russland und hochrangige russische Beamte verhängt. Diese Sanktionen gelten anscheinend nicht für NTechLab, das zwar Geld von staatlichen Investmentfonds erhält, aber privat von Personen geführt wird, die keine Positionen in der russischen Regierung bekleiden."

Eine kleine Recherche von RT zeichnet jedoch ein etwas anderes Bild. Nach Angaben des unabhängigen Wirtschaftsportals TAdviser ist NTechLab seit 2015 auf dem Markt, wobei Roman Abramowitsch und die russische Regierung als die Endeigentümer des Unternehmens genannt werden.

Wie Lenta.ru vor Jahren berichtet hatte, hatte NTechLab im Dezember des Jahres 2015 den MegaFace Benchmark gewonnen, eine Weltmeisterschaft in der Gesichtserkennung. Die Veranstaltung hatte die University of Washington organisiert. Der von NTechLab entwickelte Algorithmus konnte sich gegen mehr als 100 Lösungen von Wettbewerbern durchsetzen, darunter auch die von Google entwickelte Software Facenet.

Laut TAdviser hatte das National Institute of Standards and Technology (NIST) des US-Handelsministeriums in sieben unabhängigen Tests den NtechLab-Algorithmus im Mai des Jahres 2021 zum besten erklärt, wobei in drei der Tests ein Allzeitrekord aufgestellt wurde.

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