Schanghai: Hunderte Demonstranten fordern Aufhebung sämtlicher Corona-Maßnahmen

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In einigen chinesischen Städten sind Proteste gegen die Corona-Politik des Landes ausgebrochen. Die Menschen fordern unter anderem ein Ende der Abriegelungen. Allein in der chinesischen Stadt Schanghai nahmen am späten Samstagabend Hunderte von Menschen an einer Mahnwache teil. Videoaufnahmen und Fotos des Aufmarschs zeigen Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten in den frühen Morgenstunden des Sonntags. Einige Demonstranten standen auf Polizeiautos, andere skandierten "Wir wollen keine PCR-Tests".

Wiederum andere brachten Blumen, Kerzen und Schilder mit der Aufschrift "Urumtschi, 24. November, die Toten ruhen in Frieden" mit, um der zehn Menschen zu gedenken, die zuvor bei einem Brand in einem Wohnhaus in der nordwestchinesischen Stadt Urumtschi ums Leben gekommen waren. Neun weitere waren bei dem Brand verletzt worden. Etliche Anwohner kritisierten später in sozialen Netzwerken, dass die Corona-Maßnahmen den Kampf gegen das Feuer erschwert hätten. Bewohnern sei die Flucht ins Freie unter anderem durch abgeschlossene Wohnungstüren erschwert worden. Die Stadtverwaltung wies diese Behauptung jedoch zurück. Die Stadt hatte sich zuvor über drei Monate im Lockdown befunden. Dort begannen die Proteste schon am Freitagabend.

‘We want freedom!’ pic.twitter.com/yoTeYaFJAx

— Eva Rammeloo (@eefjerammeloo) November 26, 2022

Die Todesfälle lösten in der Öffentlichkeit teilweise Empörung aus. Im Rahmen der Proteste waren deshalb immer wieder Forderungen nach einem Ende der strengen Corona-Maßnahmen zu hören. "Hebt die Abriegelung für Urumtschi auf, hebt die Abriegelung für Xinjiang auf, hebt die Abriegelung für ganz China auf", skandierte eine Menschenmenge in einem Video, das angeblich in Schanghai aufgenommen wurde. Hin und wieder ist auf zahlreichen Videoaufnahmen und Bildern zu sehen, wie Polizisten versuchten, die Menge aufzulösen.

Police getting tired now too. They divided the crowd in two parts and arrested a few people. pic.twitter.com/vxmSTOjGSd

— Eva Rammeloo (@eefjerammeloo) November 26, 2022

Zu Beginn der Corona-Krise wurde Chinas Vorgehen bei der Bekämpfung des Coronavirus von den Bürgern gelobt, da es die Zahl der Todesfälle zu einer Zeit minimierte, als andere Länder unter verheerenden Infektionswellen litten. Das Land versucht seit fast drei Jahren, das Virus durch strenge Abriegelungen und Quarantänemaßnahmen in Schach zu halten. Doch die Politik gerät durch die steigenden Corona-Fälle, die Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung und die schwächelnde Wirtschaft des Landes zunehmend unter Druck.

Obwohl die Zahl der registrierten Corona-Infektionen in China im weltweiten Vergleich immer noch niedrig ist, hat sie für chinesische Verhältnisse vor wenigen Tagen einen Rekordwert erreicht: Am Sonntagabend meldete die Gesundheitskommission in Peking mit mehr als 39.000 neuen Fällen den vierten Tag in Folge einen Rekordwert. In Millionenstädten wie Peking, dem schwer betroffenen südchinesischen Guangzhou oder in Chongqing gelten derzeit weitgehende Bewegungsbeschränkungen. Nach fast drei Jahren Corona-Krise sind Chinas internationale Grenzen immer noch weitestgehend geschlossen.

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