Türkei und Griechenland – Ursachen des Konfliktes

Die jüngste Eskalation in den griechisch-türkischen Beziehungen um die Exploration umstrittener Gebiete im östlichen Mittelmeer ist die Fortsetzung eines seit Jahrzehnten andauernden Konflikts zwischen den beiden Mittelmeeranrainern. Die griechisch-türkischen Auseinandersetzungen sind nicht neu, sondern klar umrissen und letztendlich politisch lösbar. Ein Beitrag von Walter Glos und Nils Lange.

Die verschiedenen Dimensionen des Konflikts – der Streit um die Abgrenzung des Festlandsockels, der Hoheitsgewässer und der Hoheitsrechte in der Luft, der militärische Status einiger griechischer Inseln und die über allem schwebende Zypernfrage – erzeugen vor allem deshalb Spannungen, weil sie, emotional vorbelastet, als Symbol für die wahrgenommenen aggressiven Absichten der jeweils anderen Seite stehen.

Die Wurzel der Konflikte liegt in den historischen Erinnerungen und Traumata, die, real oder konstruiert, die jeweiligen nationalen Narrative prägen und sowohl für die griechische als auch die türkische Identität essenziell sind. In Griechenland ist man davon überzeugt, dass die Türkei seit 1974 einen neo-osmanischen Expansionismus mit dem Ziel verfolgt, ehemalige osmanische (und jetzt griechische Gebiete) wie Thrakien und ganz Zypern zurückzuerobern. In der Türkei glaubt man wiederum, dass Athen weiterhin an der irredentistischen „Megali Idea“ festhält,...